Vor einigen Wochen ging es hier um ein Problem, das viele kennen: Steuerunterlagen, die man erst übersetzen muss, bevor man sie versteht. Kurz vor Fristende zeigt sich nun besonders deutlich, warum genau das so heikel ist.
Was ist Prokrastination?
Viele schieben die Steuererklärung vor sich her. Nicht unbedingt aus Faulheit, sondern weil sie genau die Mischung mitbringt, die Prokrastination (aka „Aufschieberitis“) begünstigt: Sie wirkt wenig einladend, da sie komplex und fehleranfällig ist. Oft hat man schon beim ersten Blick darauf das Gefühl, nicht so recht zu wissen, wo man anfangen soll.
Was hat das mit der Steuererklärung zu tun?
Genau an diesem Punkt wird Sprache zum Belastungstest: Denn was ohnehin lästig ist, wirkt noch abschreckender, wenn man sich zusätzlich erst durch Fachbegriffe, Schachtelsätze und unklare Erläuterungen arbeiten muss. Aus einer unangenehmen Aufgabe wird dann schnell ein To-do, das man noch ein paar Tage länger liegen lässt – bis schließlich der Zeitdruck überhandnimmt.
Was bedeutet das für Verständlichkeit?
Kurz vor Torschluss zeigt sich deshalb besonders deutlich: Verständlichkeit ist kein stilistisches Extra. Sie beeinflusst maßgeblich, ob Menschen ins Handeln kommen oder weiter aufschieben. Von staatlicher Seite wird zu Recht erwartet, dass Bürgerinnen und Bürger korrekte Angaben zu ihren Einkünften und Aufwendungen machen. Umso wichtiger ist es, dass die dafür nötigen Informationen klar, verständlich und handhabbar formuliert sind.
Bürokratieabbau beginnt deshalb nicht erst bei Gesetzen, Verfahren oder Formularlogik, sondern bereits dort, wo Menschen entscheiden, ob sie eine Aufgabe jetzt anpacken – oder noch einmal vertagen.
Bild: KI-generiert mit ChatGPT (OpenAI)